Alarmübung im ehemaligen Gasthaus "Zum Engel"

Birkenau. Auf die ehrenamtlichen Rettungskräfte der Gemeinde und des Kreises ist Verlass – auch, wenn aus tierischem Spaß, tödlicher Ernst  wird. Bei einer unangekündigten Alarmübung am leer stehenden Gebäude des ehemaligen Gasthofes Engel in Birkenau, galt es für die  Freiwilligen Feuerwehren Buchklingen, Hornbach, Löhrbach, Reisen und die der Kerngemeinde gleichermaßen die Übersicht zu behalten wie die Durchsicht sicher zu stellen. Denn als um 14.46 Uhr die Alarmsirenen der Gemeinde anschlugen, drangen dichte Rauchwolken aus dem Gebäude, das demnächst einem
Wohnungskomplex weichen wird. Gute Gelegenheit für Gemeindebrandinspektor Lars Himmel, diesen Ort zu nutzen, um ein anspruchsvolles Einsatzszenario für die Floriansjünger und die medizinischen Hilfsorganisationen zu organisieren.

Die Annahme: Bei einer Kellerparty war ein Brand entstanden, der in Windeseile das mehrstöckige Haus mit dichtem Rauch aufgefüllt hatte, was bei der Übung durch den üppigen Einsatz von Nebelmaschinen simuliert wurde. Für die meist ortsfremden Gäste der Feier in den Kellerräumen eine gefährliche Situation. Schließlich betrug die Sicht innerhalb des Hauses plötzlich nur noch wenige Zentimeter. Nur durch Tasten war eine grobe Orientierung möglich.

Giftige und heiße Dämpfe

Die insgesamt zehn „Opfer“, die von den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Abtsteinach gemimt wurden, hatten sich bei der Suche nach einem Ausgang in den Räumlichkeiten verirrt, während sie giftigen und heißen Dämpfen ausgesetzt waren. Neun Minuten nach der Alarmierung trafen die Einsatzleitung und der erste Tanklöschzug am Einsatzort ein. Personenrettung stand auf der langen „To-do-Liste“ der Brandretter an erster Stelle. Vier Atemschutzgeräteträger erledigten die Türöffnung und machten sich auf die Suche nach den Hilfsbedürftigen. Gleichzeitig galt es, die Wasserversorgung für die Löscharbeiten zu realisieren, wofür ein naher Hydrant gefasst wurde und Schlauchleitungen verlegt wurden. Gute Sicht war ebenfalls wichtig im Rennen gegen die Zeit. Zwei leistungsstarke Ventilatoren bliesen Luft in das Erdgeschoss, während ein auf der anderen Seite des Gebäudes geöffnetes Fenster im oberen Stockwerk für den Abzug des Rauches sorgte. 

Ebenfalls unter Druck waren die medizinischen Hilfskräfte. Unter der Einsatzleitung des Deutschen Roten Kreuzes Ortsverband Lautertal, der zuerst am Einsatzort eintraf, galt es, sich um die Geretteten zu kümmern. An dieser Stelle kommt das sogenannte „Ticket-System“ zum Einsatz, wobei jedem Opfer ein Farbcode zugewiesen wird, je nach Schwere der diagnostizierten, wie der vermuteten Verletzungen. Während fünf der insgesamt zehn Opfer nur geringfügig und drei leicht verletzt waren, mussten zwei Opfer dringend in notfallmedizinische Behandlung, was auch aufgrund der Nähe zum Brand und der Dauer, die sie den giftigen Dämpfen ausgeliefert waren, angezeigt war. Aber nicht nur die Gesundheit der Opfer, sondern auch die Unversehrtheit der Feuerwehrleute musste gewahrt werden. Schließlich kann es schnell passieren, dass im Stress des Einsatzes die Atemschutzgeräteträger nicht ausreichend auf die noch zur Verfügung stehende Atemluft in den Druckflaschen achten. Daher überwachte ein Kamerad mit einer elektronischen Tafel die Zeit, die jeder Druckluftflaschennutzer noch zur Verfügung hat, um diese gegebenenfalls rechtzeitig zum Rückzug aufzufordern.

Immer ein As im Ärmel haben

Jeder Einsatzplan kann schiefgehen, daher ist es immer gut, einen zweiten im Ärmel zu haben, der im Fall der Fälle gezogen werden kann. Daher schafften die Feuerwehrleute nicht nur durch den Haupteingang, sondern auch via Leiter und Klettergeschirr über einen Balkon des Gebäudes einen weiteren Weg ins sichere Freie. Mit Tragkraftpumpen wurde die nahe Weschnitz gefasst und eine zweite Schlauchleitung gelegt, um eine zusätzliche aber eventuell auch alternative Wasserversorgung zur Verfügung zu haben. Dank all dieser Maßnahmen schafften es die Rettungskräfte, alle Opfer aus dem Haus zu bergen und die nötigen Vorarbeiten für die Gebäudelöschung zu erledigen.

Durch die Kooperation der neuen Besitzer des Gebäudes, die den Ort den Brandschützern zum Üben zur Verfügung stellten, hatten die ehrenamtlichen Lebensretter der Region die Gelegenheit, unter realistischen Bedingungen den Notfall zu üben. Eine Übung, bei der die Feuerwehr der Großgemeinde unter den Augen des Sachbereichsleiters Brandschutz, Volker Schäfer, zeigte, dass das Zusammenspiel mit den weiteren beteiligten Rettungsorganisationen, wie dem Betreuungszug des Katastrophenschutzes des Kreises, den Kräften des örtlichen DRK und der Johanniter Unfallhilfe funktioniert und das die vorgeschriebene Rettungsfrist von unter zehn Minuten bis zum Eintreffen von Hilfe auch bei überraschender Alarmierung gewahrt ist. uf

 

12.03.2018 aus Weinheimer Nachrichten/Odenwälder Zeitung, www.wnoz.de, von Udo Fritz

Zusätzliche Informationen