In der Hitze des Gefechts alles richtig gemacht

Nieder-Liebesbach. Zündeln in der Maschinenhalle – da kann ordentlich was schief gehen. Für die drei Kinder, die in einem landwirtschaftlichen Hof in der Balzenbacher Straße mit dem Feuer spielten, war es ein großes Glück, dass es auch Jugendliche gibt, die wissen, was man mit ungewolltem Feuer am besten macht: nämlich löschen. Zum Glück war alles nur eine Übung. Die Mitglieder der Jugendfeuerwehr der Birkenauer Ortsteile und der Kerngemeinde sowie ihr Können und ihr Wissen waren gefragt. Sie führten ihre zweite gemeinsame Übung der Jugendfeuerwehren durch, bevor den Nachwuchsbrandschützern des Dorfes der Sonnenuhren attestiert wurde: „Feuerprobe bestanden“.

Gefragt waren zuvor aber auch das Know-how und ab und zu die Unterstützung der Kräfte der Einsatzabteilung der Senioren, von denen rund 20 Mitglieder vor Ort waren. Klar, einerseits zum Fahren der Einsatzfahrzeuge, aber natürlich auch für gute Tipps vor Ort, wenn mal das eine oder andere nicht ganz ersichtlich war. Kann schon mal passieren, bei der Hektik im Ernstfall. Und den hatte das Team um Gemeinde-Jugendfeuerwehrwart und Bezirksjugendwart des Löschbezirkes Daniel Hofmann erstklassig und mit vielen Detailaufgaben geplant, sodass für den Nachwuchs aus den fünf Ortsteilen einiges zu tun war, um beim ersten Einsatz unter Blaulicht alle gestellten Aufgaben zu meistern.

Aus den kleinen, nur eineinhalb Liter Luft fassenden Zusatzflaschen der Senioren-Atemschutzträger, hatten die Jugendlichen taugliche wie altersgerechte Atemgeräte gebastelt, um die Einsatzbedingungen möglichst realistisch darzustellen, wenn auch der Rauch nicht von einem Brand, sondern vom Rauch einer Nebelmaschine stammte, was für die Gesundheit unschädlich ist.

Ein Brandangriff will ebenso gut geplant sein, wie die zuvor stattfindende Erkundung. Schließlich hatte das Entdecken und Retten der insgesamt drei Personen in der Halle, bei der durch den Nebel schlechte Sichtbedingungen herrschten, absoluten Vorrang. Danach stand das Löschen und das Schützen der Gebäude ganz oben auf der Prioritätenliste. Neben dem Brandangriff in der Maschinenhalle wurden auch die Dächer des unbetroffenen Gebäudes mit einer Riegelstellung mit Wasser bedacht, um einem Übergreifen der imaginären Flammen entgegenzuwirken.

60 Teilnehmer bei der Übung

Wasser ist natürlich für die Brandschützer die Wahl der Waffe und eine kontinuierliche Versorgung mit entsprechenden Kubikmetermengen dringliche Angelegenheit. Daher hatten einige der insgesamt 60 Jugendfeuerwehrleute mit einem Tankspritzenfahrzeug-Wasser Stellung an der nahen Liebersbach bezogen, die angezapft wurde, um ausreichend rettendes Nass zur Verfügung zu stellen. Von dort aus ging die Flüssigkeit auf die Reise durch die Feuerwehrschläuche, die zu den Einsatzstellen führten.

Aber nicht nur Material, sondern auch Mensch will geschützt werden. Hier ist die Sanitätsausbildung der Feuerwehr unverzichtbar, die nicht nur beim Abtransport der Verletzten, sondern auch bei der Erstversorgung vor Ort kühlen Kopf und coole Kentnisse verlangt. Schnelligkeit ist auch für die übrigen Rettungsorganisationen gefragt, mit denen ständig in Verbindung gestanden werden muss. Der Kommunikationsknotenpunkt vor Ort ist das Fahrzeug der Einsatzleitung, der im Notfall mit der Rettungsleitstelle in Heppenheim in Verbindung steht. Für die Übung führten diese Funkkanäle aber zu einem Senioren-Kamerad der Birkenauer Wehr, bei der das Übermitteln exakter Informationen und das Abklären des Bedarfs an zusätzlichen Notfallkräften geklärt wurde.

Hohe Präsenz an Führungskräften

Dass der Spruch „Ohne Jugend keine Zukunft“ im Dorf der Sonnenuhren gelebt wird, zeigte die hohe Präsenz an Führungskräften der Ortsteilwehren, bei der sämtliche Wehrführer vor Ort waren, ebenso wie Gemeindebrandinspektor Lars Himmel und seine Stellvertreter. Auch Ortsvorsteher Volker Buser sowie Birkenaus Bürgermeister Helmut Morr waren, zusammen mit Mitgliedern der gemeindlichen Gremien, vor Ort, um sich ein Bild von der Jugendarbeit der Brandschützer zu machen. Diese stellt auch in Nieder-Liebesbach das Fundament für die nachhaltige Sicherheit der Bürger dar.

Die Organisatoren der zweiten Übung der Birkenauer Jugendfeuerwehr waren mit der Leistung der Floriansjünger schon an diesem Tag hoch zu frieden. Das ergab das Fazit im Feuerwehrgerätehaus im Ortskern, bei dem Snacks und Getränke sowie ein gemütliches Zusammensein für Abkühlung sorgten – nach der ersten Hitze des Gefechtes gegen die Flammen. uf

 

02.10.2017 aus Weinheimer Nachrichten/Odenwälder Zeitung, www.wnoz.de, von Udo Fritz

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