Ein Wochenendausflug in die Hölle

- Birkenauer Feuerwehren: Einsatzabteilungen proben in Külsheim den Ernstfall / Routine kann im Ernstfall Leben retten -

BIRKENAU/KÜLSHEIM. Einen Wochenendausflugi in die Hölle unternahmen Mitglieder der Einsatzabteilungen der Birkenauer Freiwilligen Feuerwehren. Züngelnde Flammen, dicke Rauchschwaden, absolute Dunkelheit, Hitze von über 200 Grad Celsius und absolut keine Sicht – all das kann im Ernstfall jederzeit auf die Einsatzkräfte der Wehr zu kommen, wenn Alarm ausgelöst wird. All das erwartet sie an diesem Ort, bei einer unbezahlten Fortbildungsmaßname im Dienst am Bürger.

Die ehrenamtlichen Kräfte der Feuerwehr trainierten auf dem Gelände der Firma International Fire& Rescue Training (IFRT), das auf dem Gelände der ehemaligen Prinz- Eugen-Karserne der Bundeswehr in Külsheim gelegen ist, den Brandernstfall in den Flammen, um im Notfall den Bürgern der Gemeinde effektiv helfen zu können, aber auch das eigene Leben zu schützen. Dort auf dem Areal der einstigen Leopard-II-Panzerwaschanlage, betreibt die IFRT ihre Schulungen, die aus einem theoretischen, aber vor allem aus einem praktischen Teil bestehen. Letzterer findet in einemFeuerwehreinem Wohngebäude nachempfundenen Komplex statt, der aus sieben 13 Meter langen Schiffshochseecontainern besteht. Im Inneren des miteinander durch Türen und Treppen verbundenen und auch mit einigen Fenstern nach draußen versehenen Brand-Labyrinths, lassen die zertifizierten Ausbilder immer und immer wieder ein Flammeninferno entstehen, durch das sich die Feuerwehrleute – mit Brandschutzkleidung und mit Atemgeräten ausgestattet – löschend hindurchkämpfen müssen. Stroh, alte Holzpalletten und Sperrmüll wurden in den Containern angehäuft, in Flammen gesetzt und auf Temperatur gebracht. Derweil überprüften die Trainierenden ihr Gerät, besonders die überlebenswichtigen, 25 Kilogramm schweren Atemgeräte, die ihre Körper in der tödlichen Umgebung für 20 Minuten mit Sauerstoff versorgen.

Erst mal in der Hocke bleiben Mit der Öffnung der Türen wurde es ernst. Die Devise hieß: „In der Hocke bleiben, Kontakt zur Wand halten.“ Schließlich empfängt den Brandschützer nun im Ernstfall eventuell ein Feuerstoß, in jedem Fall aber ein flimmernd heißes Qualm-Luft-Gemisch, das je höher um so heißer ist. Wasser auf den Brandherd spritzen, das ist nun unter Umständen das falsche Vorgehen, hatten die Übungsleiter den Trainierenden der Wehren der Kerngemeinde und der Ortsteile zuvor vermittelt. Die Folge wären lediglich dichte Wasserdampfschwaden, da aufgrund der Hitze die Flüssigkeit den Brandherd gar nicht erst erreicht.
Mit „Löschimpulsen“, kurzen Wasserstößen über den Brandherd, oder einer breiten Strahlrohreinstellung, die zunehmend verengt wird, gilt es zunächst, den Rauch im Gebäude abzukühlen und dem Feuer einen Teil der Energie zu nehmen, bevor mit dem direkten Brandangriff begonnen werden kann. Spätestens jetzt war die Sicht aufgrund des entstehenden Wasserdampfes auf null reduziert.
Im Einsatzstress galt es, sich durch Kontakt zu den Wänden und durch Einprägen des Laufweges zu orientieren, obendrein hatten die Feuerwehreinemleute nicht nur Brände zu löschen und sich bei Null-Sicht am Mobiliar vorbei zu bewegen, sondern auch eventuelle ohnmächtige Brandopfer zu lokalisieren und zu retten.

„Bei dem sogenannten Innenangriff, den wir hier üben, gilt es nicht nur zu löschen“, sagte der Birkenauer Gemeindebrandinspektor Lars Himmel, der darauf hinwies, dass es sich durch eine durch den Brand zerstörte Wohnung handele, in der unter widrigsten Bedingungen Schwerstarbeit zu leisten sei. „Von der Sicht her ist es für die Kameraden, als wenn sie vor einer Wand stünden“, eine Situation, vor der es keine Angst gebe, wohl aber eine Menge Respekt ratsam sei.

Das richtige Verhalten zu automatisieren, um sowohl das Leben der Opfer als auch das eigene zu schützen, dazu biete diese Ausbildung beste Gelegenheit, um schließlich in der von Stress und Aufregung geprägten Einsatzsituation fehlerfrei zu arbei-ten. „Man darf nicht vergessen, dass die Routine der ehrenamtlichen Einsatzkräfte Leben retten kann.“ Das kann aber auch schon im Vorfeld durch einen geübten Beobachtungssinn unterstützt werden.

In der Theorie-Einheit des Seminars lernten die 14 Teilnehmer aus der hessischen Gemeinde unter anderem Tipps rund um das „Lesen“ einer Einsatzstelle. Die Funktion des Gebäudes berücksichtigen, Fluchtwegesituation klären, alternative Zugangswege feststellen und Anzeichen für die Art und den bisherigen Verlauf des Brandes suchen, all das kann gerade in der Hektik des Notfalls essenziell sein und wurde ausgiebig diskutiert.

Die Reise der Floriansjünger in den Kreis Neustadt an der Aisch im Nordosten von Baden Württemberg, für den sie ein entspanntes Wochenende gegen Stress, Hitze, Ruß und Qualm eintauschten, sorgt dafür, dass das Leben der Bürger der Sonnenuhrengemeinde im Ernstfall um einiges sicherer geworden ist.

 

19.08.2015 - von Udo Fritz, Weinheimer Nachrichten / Odenwälder Zeitung, www.wnoz.de

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