Haus in Löhrbach explodiert

Löhrbach. Löhrbach, kurz nach 9 Uhr: Den Qualm kann man schon von der Kuppe aus sehen. Wer näherkommt, dem bietet sich ein Bild der Zerstörung. Dort, wo wenige Stunden zuvor noch ein Haus stand, ist nur noch ein Trümmerhaufen. Es qualmt, Gebälk liegt über Steinen. Und es riecht verkohlt. Kein Stein ist mehr auf dem anderen, nur die Waschmaschine, vom Brand scheinbar unversehrt, kann man in dem Haufen deutlich erkennen. Drumherum liegen meterweit Scherben der zersprungenen Fensterscheiben, ganze Fensterrahmen und Mauersteine liegen auf dem Weg, der um das Anwesen in der Buchklinger Straße führt.

Rund 80 Helfer von Feuerwehren und Rettungsdienst sind am Freitagmorgen in der Buchklinger Straße im Einsatz. Von der Drehleiter wird Wasser auf den qualmenden Berg an Schutt gespritzt. Das Haus, das bis auf die Grundmauern abgebrannt ist, hätte an diesem Freitagmorgen um 9 Uhr im Amtsgericht Fürth zwangsversteigert werden sollen. Wo sich der 59-jährige Rüdiger Kohl, der das Haus allein bewohnte, aktuell aufhält, ist noch unklar, heißt es in der Mitteilung des Polizeipräsidiums Südhessen. Auch wurde er bislang nicht unter den Trümmerteilen gefunden. Kurz nach 18 Uhr gaben die Behörden bekannt, dass auf Antrag der Staatsanwaltschaft Darmstadt beim zuständigen Amtsgericht die Öffentlichkeitsfahndung nach Rüdiger Kohl veranlasst wurde. Der Mann steht im Verdacht sein Haus angezündet zu haben. Die Ermittlungsbehörden haben gegen ihn ein Verfahren wegen besonders schwerer Brandstiftung eröffnet.

Mehrere Gasflaschen gefunden

Die Brandexperten der Polizeidirektion Bergstraße und des Hessischen Landeskriminalamts hatten zuvor bei der Untersuchung der Trümmerteile mehrere Gasflaschen gefunden, die im Haus gelagert waren. Einige Flaschen seien entweder im Zuge des Feuers oder vor Brandausbruch gezündet worden, sodass es zu einer Explosion kam. Ob der Hausbrand mit der am Freitag terminierten Zwangsversteigerung im Zusammenhang steht, wird geprüft. Wer den Gesuchten gesehen hat oder seinen Aufenthaltsort kennt, wird dringend gebeten, sich mit der Kriminalpolizei in Heppenheim unter der Rufnummer 06252/7060 oder jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.

Anwohner hören lauten Knall

Der Knall der Explosion war bis in die Kerngemeinde Birkenau zu hören. Um 7.45 Uhr hörten Anwohner ein lautes Knallgeräusch, bemerkten, dass das Haus in Flammen stand, und verständigten die Polizei. „Feuer Wohnung Mensch; brennt Gebäude“ lautete der Alarm für die Einsatzkräfte der Feuerwehren. Die Einsatzkräfte des Rettungsdienstes und der Wehren Birkenau, Löhrbach, Buchklingen sowie Unter- und Ober-Abtsteinach waren wenig später mit mehreren Wagen vor Ort. Die Feuerwehr Weinheim unterstützte die Löscharbeiten mit der Drehleiter. Trotz der schnellen Hilfe konnte das Haus nicht mehr gerettet werden.

Beamte des Hessischen Landeskriminalamtes unterstützten die Ermittlungen der Kriminalpolizei vor Ort. „Wir wissen nicht, ob es zuerst zum Brand und danach zur Explosion gekommen ist oder umgekehrt“, sagte Christiane Kobus, Sprecherin des Polizeipräsidiums Südhessen, auf Nachfrage der Redaktion. Nach den Arbeiten von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk ging es mit den Sichtungsarbeiten weiter.

Aus Sicherheitsgründen mussten zwei Bewohner ein angrenzendes Haus verlassen. Durch die Explosionswucht waren Gebäudeteile bis zu 50 Meter weit geflogen. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei wurde aber niemand verletzt.

Auch wenn die Löscharbeiten nach etwa rund einer Stunde abgeschlossen waren, wurde der Einsatzort noch lange nicht geräumt. Feuerwehren und rund 25 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks sichteten die Trümmer nach Glutnestern und überprüften, ob sich zum Zeitpunkt des Brandes noch Menschen im Haus befanden. Deshalb waren auch Spürhunde in den Trümmern im Einsatz.

Die Buchklinger Straße war komplett gefüllt mit zwölf Einsatzwagen, Feuerwehrmännern und Medienvertretern. Zwischen ihnen liefen Mengen an Löschwasser die abschüssige Straße herunter, das aus den Schläuchen abgelassen wurde. Vereinzelt zeigten sich auch Nachbarn auf der Straße. Während der Nachlöscharbeiten am Grundstück, wurde ein Rollladen am angrenzenden Nachbarhaus heruntergelassen. Durch die Explosion hatte es Schäden am Dach und an den Fenstern genommen. Das genaue Ausmaß ist jedoch noch nicht klar, wie die Polizei am Freitag weiter mitteilt.

Zwangsversteigerung

Das Einfamilienhaus in der Buchklinger Straße hätte zwangsversteigert werden sollen. Der Verkehrswert des Grundstücks wurde zum Wertermittlungsstichtag im September 2018 auf 200 000 Euro beziffert, wie es in der Amtlichen Bekanntmachung des Amtsgerichts Fürth heißt.

Im Internet findet sich das Exposé für das mit dem Einfamilienhaus bebaute Grundstück, das vom Sachverständigen, dem Architekturbüro Kurt Gehbauer in Fürth, erstellt worden war. Die gesamte Wohn- und Nutzfläche beträgt demnach rund 324 Quadratmeter. Das zweigeschossige Haus wurde im Jahr 1996 gebaut, zuletzt befand sich die Außenfassade noch überwiegend in Rohkonstruktion.

Offenbar gehen die Ermittlungsbehörden davon aus, dass die Zwangsversteigerung und der Brand in Zusammenhang stehen. Kann man von einem bekannten Muster sprechen? „Nein, von einem bekannten Muster kann man nicht sprechen. Einsätze in solchem Ausmaß wie in Löhrbach kommen nicht oft vor“, sagt Kobus.

Mehrere Stunden waren die Einsatzkräfte am Freitag vor Ort. Marco Unholzer, Pressesprecher der Birkenauer Feuerwehr, war neben der Feuerwehr Löhrbach einer der ersten Helfer, die am Einsatzort ankamen und das Feuer löschen. „Es ist wirklich kein alltäglicher Einsatz“, sagte er und betonte: „Zum Glück wurden viele ehrenamtliche Einsatzkräfte von ihren Arbeitgebern freigestellt, sodass sie heute Morgen gleich hierher kommen konnten.“

Für Birkenau war es der erste Einsatz dieses Ausmaßes in diesem Jahr. Die Einsatzleitung der Feuerwehr Birkenau hatte Wehrführer Jan Hofmann. Die Buchklinger Straße war bis in den frühen Abend komplett gesperrt.awe

 

23.03.2019 aus Weinheimer Nachrichten/Odenwälder Zeitung, www.wnoz.de, von Ann-Kathrin Weber

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