Millionenschaden durch Flammenhölle

Gras-Ellenbach. Es war eine regelrechte Flammenhölle, die am Freitagabend im Holzwerk in Gras-Ellenbach wütete: Die Polizei bezifferte den Schaden, den der Großbrand in dem Überwälder Familienunternehmen anrichtete, auf gut fünf Millionen Euro. Eine 50 auf 60 Meter große Lager- und Produktionshalle mit einer Strom erzeugenden Gasturbine, gut eine Tonne dort gelagerte Holzpellets und -briketts, die auf dem Hallendach angebrachte Photovoltaikanlage sowie mehrere Fahrzeuge und Maschinen fielen dem Feuer zum Opfer. Umso tragischer für die Familie Monnheimer und deren Mitarbeiter war, dass sie schon zum zweiten Mal von solch einer Katastrophe heimgesucht wurden. Immerhin gab es keine Verletzten zu beklagen.

Halle schon in Vollbrand

Es war kurz nach 21.30 Uhr, als bei der Leitstelle in Heppenheim erste Anrufe vom Sportplatz in Gras-Ellenbach und von vorbeifahrenden Autofahrern eingingen, dass Rauch und Flammen aus dem Holzwerk aufsteigen würden. Die alarmierten Feuerwehren der Gemeinde Grasellenbach rückten innerhalb weniger Minuten aus und erkannten schnell das Ausmaß des Feuers. „Schon bei der Anfahrt stand ein Drittel der Halle in Flammen. Deshalb haben wir dann auch sofort die umliegenden Feuerwehren umfassend alarmiert“, berichtete Gemeindebrandinspektor Timo Lammer.

Als die Brandschützer den ersten Löschangriff vorbereiteten, fraßen sich die Flammen gnadenlos durch die Lagerhalle, wobei immer wieder Teile des ausgebrannten Daches krachend zu Boden fielen. „Durch die offene Bauweise des Gebäudes ging das rasend schnell. Deshalb war klar, dass wir keine Chance hatten, das Feuer zu löschen, sondern wir haben uns darauf konzentriert, durch eine Riegelstellung das Überspringen der Flammen auf die umliegenden Gebäude zu verhindern – was auch gelang“, erklärte Lammer das Vorgehen der Einsatzkräfte.

Funkenflug Richtung Wiese

Diese konnten froh sein, dass der Wind nicht in Richtung Wald über den Brandort strich. „Der Funkenflug bewegte sich in Richtung Wiese, das konnten wir schnell in den Griff bekommen. Wäre das aber in Richtung Wald geschehen, hätte alles noch viel schlimmer kommen können“, sagte er auch mit Blick auf die seit Wochen schon anhaltende Trockenheit und die hohe Waldbrandgefahr.

In der Folgezeit rückten dann Feuerwehren aus dem ganzen Kreis Bergstraße und aus dem benachbarten Odenwaldkreis – von Lampertheim über Heppenheim, Reichelsheim bis Hiltersklingen, Michelstadt und Beerfelden – an, um die Grasellenbacher Kameraden zu unterstützen. Das größte Problem dabei war, genügend Wasser für die Löscharbeiten zur Verfügung zu stellen. Vom Ort aus war eine lange Wasserleitung aufgebaut worden, die aber bei weitem nicht ausreichte. Deshalb kamen von überall her Tanklöschfahrzeuge an, die immer wieder frisches Wasser brachten. Die Fürther Feuerwehr „tankte“ beispielsweise am Stausee bei Krumbach immer wieder neu auf.

Und die Bandschützer bekamen auch Hilfe von privater Seite. Aus der ganzen Umgebung kamen Landwirte und weitere freiwillige Helfer mit gefüllten Wasser- oder Güllefässern angefahren. „Ein Mann kam sogar aus Beedenkirchen“, sagte der Gemeindebrandinspektor und zeigte sich dankbar für diese Unterstützung.

So schafften es die zwischenzeitlich gut 200 Einsatzkräfte, dass sie bis gegen 2 Uhr in der Nacht das Feuer erst einmal unter Kontrolle brachten. Danach konnte der Fokus auf das Löschen der Flammen in der Lagerhalle gerichtet werden. Die ganze Nacht hindurch waren die Brandschützer gefordert. „Es war schon hell, als wir endlich Feuer aus melden konnten“, sagte Lammer.

Nachlöscharbeiten

Damit war der Einsatz aber noch lange nicht beendet, denn den ganzen Samstag dauerten die Nachlöscharbeiten an, schließlich lauerten im ganzen Brandbereich noch Glutnester. „Wir müssen auch das ganze Brandgut noch abfahren, um auch hier sicherstellen zu können, dass nicht wieder Feuer ausbricht“, so der Gemeindebrandinspektor.

Um die große Zahl an Brandschützern koordinieren zu können, war ein ganzer Stab unter der Regie von Kreisbrandmeister Werner Trares in der Einsatzleitung tätig. Noch am Freitagabend informierte sich die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz über die Lage und auch der Grasellenbacher Bürgermeister Markus Röth machte sich vor Ort ein Bild. „Nach dem Brand vor drei Jahren ist das ein zusätzlicher Schlag für die Firma, der fast nicht wegzustecken ist. Ich hoffe, dass die Brandversicherung parat steht und hilft“, sagte Röth kopfschüttelnd: „Das ist wirklich schlimm.“

Nicht gefordert waren die Helfer vom DRK und von den Johannitern, die ebenfalls in großer Zahl aus der ganzen Umgebung an den Brandort geeilt waren, was Verletzte anbetraf. Sie kümmerten sich um die Versorgung der stundenlang gegen die Flammen kämpfenden Feuerwehrmänner mit Getränken und Essen.

Fenster geschlossen halten

Auch die Polizei war mit etlichen Streifen vor Ort, übernahm unter anderem die Sperrung der Landesstraße 3105 an der Wegscheide und von Gras-Ellenbach aus. Sie forderte die Anwohner im Ort auch am Freitagabend auf, aufgrund der enormen Rauchentwicklung Fenster und Türen geschlossen zu halten.

In den Morgenstunden rückte dann auch das Technische Hilfswerk an, das mit den Abbrucharbeiten begann. Und in der Nacht auf Sonntag übernahmen dann wieder die Grasellenbacher Feuerwehrleute die Brandwache.

Über die Brandursache konnten gestern noch keine Angaben gemacht werden. „Nach Abschluss der Löscharbeiten wird durch die Polizei der Brandort beschlagnahmt und die Ermittlungen aufgenommen“, erklärte das Polizeipräsidium Südhessen.

 

16.07.2018 aus Weinheimer Nachrichten/Odenwälder Zeitung, www.wnoz.de, von Stefan Jünger

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