Feuer bei der Feuerwehr in Birkenau / Polizei geht von Brandstiftung aus

BIRKENAU - Es war der zweite Großeinsatz von Bergsträßer Feuerwehren binnen weniger Tage: In der Nacht zum Mittwoch wurden die Birkenauer Floriansjünger gegen halb drei zu einem Einsatz gerufen. Zu diesem Zeitpunkt stand das Obergeschoss des Feuerwehrgerätehauses am Festplatz bereits in hellen Flammen. Ein Anwohner war auf den Brand aufmerksam geworden und hatte umgehend die Leitstelle alarmiert. Die Kriminalpolizei geht derzeit von einem Einbruch mit anschließender Brandstiftung aus - die Ermittlungen laufen.

Marco Unholzer, Pressesprecher der Wehr, war als einer der ersten vor Ort, wie er gestern im Rahmen einer einberufenen Pressekonferenz im Rathaus berichtete. Als die Alarmmeldung "F2. Feuer mittel. Brennt Dachstuhl." um 2.28 Uhr die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr erreichte, realisierte noch keiner, dass mit dem Adresszusatz "Am Festplatz 5" nicht der übliche Ausgangspunkt aller Einsätze gemeint war, sondern das Ziel. Als Unholzer und seine Kollegen eintrafen, schlugen die Flammen schon drei bis vier Meter aus den Fenstern im ersten Obergeschoss, wo Büro- und Schulungsräume sowie die Küche und der Jugendraum untergebracht sind.

Glücklicherweise hatte das Feuer die Fahrzeughalle verschont, aus der in Windeseile die sechs Einsatzfahrzeuge nach draußen verbracht wurden. Binnen weniger Minuten waren auch die Einsatzkräfte der Feuerwehr Birkenau-Hornbach sowie das Drehleiter-Fahrzeug aus Weinheim an der Brandstelle.

Als das ganze Ausmaß des Feuers erkannt wurde, habe man um 2.31 Uhr auch die restlichen Wehren der Großgemeinde Birkenau alarmiert sowie den Löschzug aus Weinheim angefordert. Auch der DRK-Ortsverein Birkenau wurde gerufen, um eine medizinische Betreuung der Einsatzkräfte vor Ort zu gewährleisten. Insgesamt waren 103 Einsatzkräfte der Feuerwehren mit 20 Fahrzeugen an der Brandstelle, sieben Freiwillige des DRK, ein Rettungswagen aus Mörlenbach sowie zwei Polizeistreifen. Die Einsatzleitung hatte Wehrführer Jan Hofmann.

Nur kurze Zeit nach dem ersten Löschangriff konnte ein erster Trupp mit dem Innenangriff beginnen. Man stellte einen Vollbrand im Büro fest, der bereits in den Flur übergegangen war. Darüber hinaus fiel den Brandschützern auf, dass die Räume ganz offensichtlich bereits vor dem Brand durchwühlt und verwüstet worden waren. Bereits um 3.03 Uhr konnte "Feuer aus" vermeldet und mit den Nachlöscharbeiten begonnen werden. Personen seien zu keiner Zeit in Gefahr gewesen - die Familie, die im Gebäude wohnt, konnte sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Gegen 4 Uhr am Morgen rückten die ersten Einsatzkräfte wieder ab.

Erste Schätzungen zur Schadenshöhe liegen bei rund 150.000 Euro. Bürgermeister Helmut Morr rechnet jedoch damit, dass diese Summe nach oben korrigiert werden muss. Was in welchem Ausmaß zerstört wurde, konnte die Feuerwehr bisher nicht richtig in Augenschein nehmen, da die Polizei die Brandstelle noch nicht freigegeben hat. Die gute Nachricht ist, dass die Freiwillige Feuerwehr-Mitte nach wie vor uneingeschränkt einsatzbereit ist. Der Bürgermeister dankte allen Einsatzkräften für ihren "ruhigen, sachlichen und professionellen Einsatz". Auch die Zusammenarbeit über die Landesgrenze hinaus mit den Kameraden aus Weinheim funktioniere vorbildlich.

Bei Tageslicht sah man gestern deutlich die Schäden, die das Gebäude auch im Außenbereich genommen hat. Alle Fenster im Obergeschoss und die Fassade sind verrußt, einige Fensterscheiben durch die Hitzeentwicklung geborsten. Die Überreste der Giebelschindeln lagen auf dem Boden, ebenso wie zerbrochene Dachziegel und Teile der Verkleidung. Brandgeruch lag auch nachmittags noch in der Luft.

Nicht so in der Fahrzeughalle selbst, die in keiner Weise in Mitleidenschaft gezogen wurde. Ob von den Schäden im linken Gebäudetrakt eine Gefahr ausgeht, wird in den kommenden Tagen untersucht. Auch wenn Akten und Computer vom Feuer zerstört sind, kann über das Online-System der hessischen Wehren weiter auf wichtige Daten zugegriffen werden.

 

05.04.2018, ECHO, Starkenburger Echo, www.echo-online.de, von Astrid Wagner

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