Es brennt im Feuerwehrgerätehaus

Einsatz: Es brennt im Feuerwehrgerätehaus / Schaden wird auf mindestens 150.000 Euro geschätzt / Zeugen werden gesucht / Folgen für die Feuerwehr / Ermittler gehen von Brandstiftung aus

Birkenau. Es war ein ungewöhnlicher Einsatz für die Feuerwehr Birkenau: In der Nacht zum Mittwoch kam es zu einem Brand im Obergeschoss des Feuerwehrgerätehauses am Platz La Rochefoucauld. Um 2.28 Uhr wurde das Feuer gemeldet, knapp zwei Stunden später konnte der Einsatz durch die Feuerwehren der Gemeinde Birkenau und der Freiwilligen Feuerwehr Weinheim beendet werden. Die Brandermittler der Kriminalpolizei aus Heppenheim haben am Mittwochmorgen die Ermittlungen zu dem Brandausbruch übernommen. Nachdem die Brandursache zunächst unklar war, geht die Kriminalpolizei nach derzeitiger Spurenlage von einer vorsätzlichen Brandstiftung aus, der ein Einbruch in dem Gerätehaus vorausgegangen sein könnte, wie es in der Mitteilung des Polizeipräsidiums Südhessen heißt.

Brand im Büro ausgebrochen

Nach bisherigen Feststellungen dürfte der Brand in einem Büro im ersten Obergeschoss ausgebrochen sein. Ein Fenster und Zimmertüren im Obergeschoss sind offensichtlich aufgebrochen worden. Die Räume waren verwüstet, als die Einsatzkräfte mit den Löscharbeiten begonnen haben, heißt es weiter im Polizeibericht.

Durch das Feuer ist das Gerätehaus erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Flammen haben sich über das Büro ins Treppenhaus, in dem benachbarten Raum sowie auf das Dach ausdehnen können. Durch die Hitzeentwicklung sind Fensterscheiben zu Bruch gegangen. Die Kriminalpolizei schätzt den Schaden auf mindestens 150 000 Euro. Es wurden keine Personen verletzt.

„Es war taghell“

Die Gemeinde Birkenau und die Feuerwehr der Großgemeinde hatten am Mittwochnachmittag, als die Geschehnisse der Brandnacht weitestgehend geklärt waren, zu einer Pressekonferenz ins Rathaus eingeladen. Die Ehrenamtlichen ließen mit müden Gesichtern die Brandnacht Revue passieren. „Es fällt nicht einfach, wenn es im eigenen Gerätehaus brennt“, sagte Pressesprecher Marco Unholzer. Ein Anwohner aus der Nachbarschaft hatte den Brand bei der Leitstelle gemeldet. Um 2.28 Uhr sei der Alarm „Feuer mittel, brennt Dachstuhl“ mit dem Treffpunkt Feuerwehrgerätehaus bei den Einsatzkräften ausgelöst worden. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass das Feuerwehrgerätehaus selbst der Einsatzort war. „Als wir eintrafen, sahen wir es schon: Es war taghell, die Flammen schlugen drei bis vier Meter aus der Balkontür im ersten Obergeschoss“, sagte Unholzer.

Die Feuerwehr der Kerngemeinde und aus Hornbach waren als erste vor Ort. Recht schnell, bereits um 2.31 Uhr, alarmierte Gemeindebrandinspektor Lars Himmel zur Unterstützung alle Feuerwehren der Gemeinde sowie den Löschzug der Feuerwehr Weinheim, da noch nicht klar war, ob die Fahrzeuge im brennenden Gerätehaus vom Feuer betroffen waren – waren sie letztendlich aber nicht. „Die ersten Helfer fuhren alle sechs Fahrzeuge, die keinen Schaden genommen hatten, aus der Halle“, erklärte Unholzer. „Den gewaltig wütenden Brand“ habe man unter der Einsatzleitung von Wehrführer Jan Hofmann schnell in den Griff bekommen. „Alle zusammen haben eine super Arbeit geleistet. Nach rund 30 Minuten war das Feuer aus, dann wurde mit den Nachlöscharbeiten begonnen“, erklärte Unholzer. Zu keiner Zeit seien Menschen in Gefahr gewesen, auch nicht die Mieter der Wohnung, die sich im Feuerwehrgerätehaus befindet. „Die Wohnung ist rauchfrei geblieben und bleibt bewohnbar“, erklärte Unholzer.

Insgesamt waren mehr als einhundert Einsatzkräfte mit 20 Einsatzfahrzeugen vor Ort. 103 Einsatzkräfte der Feuerwehren der Großgemeinde und der Feuerwehr Weinheim, die mit Drehleiter und Löschzug anfuhren, sieben Helfer des DRK Birkenau, die für die Verpflegung der Rettungskräfte zuständig waren, ein Rettungswagen aus Mörlenbach sowie zwei Funkstreifen der Polizeistation Heppenheim waren in der Brandnacht im Einsatz. „Die Zusammenarbeit der Rettungskräfte, auch über die Landesgrenze hinaus, hat hervorragend funktioniert“, sagte Bürgermeister Helmut Morr, der sich bei allen beteiligten Helfern bedankte.

Die Folgen der Brandnacht

Der Brand wurde schnell gelöscht, aber welche Folgen ergeben sich aus der Brandnacht? Zunächst keine unmittelbaren für die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr der Kerngemeinde, die weiter gegeben ist. „Fahrzeughalle, Fahrzeuge oder sonstiges technisches Gerät wurden nicht beschädigt. Wir sind weiter einsatzbereit“, sagte Unholzer. Da der Brand im Büro ausgebrochen war, sind auch Unterlagen und Dokumente verbrannt. „Wir können weiter die Einsatzberichte in digitaler Form bearbeiten. Jedoch hat es die persönlichen Akten in Papierform getroffen“, erklärte Hofmann. Das Ausmaß könne man allerdings noch nicht sehen, da es durch die noch laufenden Ermittlungen keinen Zutritt zu den Räumen gebe.

Auch könne man zur weiteren Nutzung des Feuerwehrgerätehauses und dessen Statik momentan noch keine Aussagen treffen, wie Bürgermeister Morr erklärte. Dafür müsse man die ersten Gespräche mit den Versicherungen abwarten. Auch auf den geschätzten Schaden in Höhe von 150 000 Euro ging Morr ein: „Wir gehen davon aus, dass diese Summe nicht ganz reicht.“

Auswirkungen auf Veranstaltungen und Versammlungen, die teilweise im großen Saal des Feuerwehrgerätehauses stattfinden, seien noch nicht absehbar. „Das wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Birkenau fängt sich auf, das hat man schon beim Brand in der SKG-Halle in Löhrbach gesehen“, sagte Morr. Bereits am Donnerstag werden Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft ihre Arbeit in Birkenau fortsetzen. awe /MB

Zeugen, die vor der Entdeckung des Brandes am Mittwoch gegen 2.25 Uhr Personen im Bereich des Feuerwehrgerätehauses gesehen haben, werden gebeten, sich mit der Polizei in Heppenheim unter der Telefonnummer 06252/7060 in Verbindung zu setzen.

 

05.04.2018 aus Weinheimer Nachrichten/Odenwälder Zeitung, www.wnoz.de, von Ann-Kathrin Weber und Manfred Bierbauer, Bilder; Marc Kühnel (FF Reisen)

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