Hasselhof: Scheune brennt lichterloh

Birkenau. Als am frühen Samstagmorgen kurz vor halb sechs die beiden Terrier der Familie Kellner bellen und sich nicht beruhigen wollen, wird Petra Reinemuth-Kellner aufmerksam. Als sie gleich darauf nach dem Rechten sieht, traut sie ihren Augen nicht: Die Scheune des Hasselhofs, die direkt gegenüber dem Wohnhaus liegt, steht bereits komplett in Flammen. „Wir haben uns über die seltsamen Geräusche gewundert. Das hat sich so angehört, als würde ein Wagen mit Eisenrädern über den Hof rattern“, sagt der Seniorchef Wolfgang Kellner.

Doch es war kein Fahrzeug, das in den frühen Morgenstunden in den Hof des landwirtschaftlichen Betriebs fuhr, sondern das Feuer, das sich bereits mit unvorstellbarer Wucht bemerkbar machte: „Es hat Ziegeln geregnet“, sagt Wolfgang Kellner. Sein Sohn Stefan Kellner, der Besitzer des Hasselhofs, lebt mit seiner Familie und den drei kleinen Kindern (9, 7 und 4 Jahre) ebenfalls auf dem Anwesen: „Meine Familie habe ich sofort in Sicherheit gebracht.“ Er, sein Vater, aber auch die Nachbarn eines Holzhauses, das nur einen Steinwurf entfernt von der brennenden Scheune liegt, verständigten umgehend die Feuerwehr.

Hoher Sachschaden

Die Alarmierung der Birkenauer Brandschützer erfolgte um 5.26 Uhr, wenige Minuten später waren die Einsatzkräfte vor Ort. „Man hat den Feuerschein schon vom Gerätehaus aus gesehen. Als wir ankamen, brannte die Scheune lichterloh“, sagt Birkenaus Gemeindebrandinspektor Lars Himmel, unter dessen Leitung der Großeinsatz stand. Feuerwehrleute aus der gesamten Region kämpften über Stunden hinweg gegen die Flammen. „Das wird ein 24-Stunden-Einsatz, wir werden die ganze Zeit vor Ort bleiben“, so Himmel.

In der Scheune des Hofs, auf dem rund 70 Pensionspferde versorgt werden, waren neben landwirtschaftlichen Geräten auch 240 Heuballen gelagert. Nach ersten Schätzungen der Polizei beläuft sich der Gesamtschaden auf rund 400 000 bis 500 000 Euro. Die gute Nachricht: Es gibt keine Verletzen – Mensch und Tier kamen glücklicherweise unbeschadet davon. Der überwiegende Teil der Pferde lebt im Stall außerhalb des historischen Vierseithofs, der urkundlich erstmals 1790 erwähnt worden ist.

Ein Überblick

Es ist Samstag, kurz nach 10 Uhr: Auf dem Weg zum Hasselhof – der etwas abseits an der Straße Richtung Nieder-Liebersbach liegt – ist vom Großbrand, der hier vor knapp fünf Stunden noch mit voller Kraft gewütet hat, auf den ersten Blick nicht viel zu erkennen. Zahlreiche Fahrzeuge der Feuerwehr sind am Straßenrand abgestellt, Feuerwehrleute sind zu sehen. Das Ausmaß des Unglücks wird mit jedem Schritt, den man sich auf den Hof zubewegt, deutlicher. Noch bevor man am Brandort angekommen ist, steigt einem ein stechender Geruch in die Nase. Dann offenbart sich der Blick auf das Szenario: Die Scheune ist bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Vom Dach ist nichts mehr übrig geblieben. Verkohlte Balken liegen auf dem Boden der Scheune zerstreut. Im Hof steht ein komplett ausgebrannter Traktor, von dem nur noch ein schwarzes Gerippe zu erkennen ist. Ein weiterer Traktor der Marke Fendt steht noch in der Scheune – auch er ist ein Opfer der Flammen geworden. Allein durch die beiden Traktoren ist der Familie ein Schaden von rund 100 000 Euro entstanden.

Schwieriger Einsatz

Die Löscharbeiten laufen zu diesem Zeitpunkt weiter auf Hochtouren, die Feuerwehr hat die Flammen aber bereits unter Kontrolle. Ein Ausbreiten des Feuers konnte glücklicherweise verhindert werden. Nur das Dach eines benachbarten Gebäudes wurde leicht in Mitleidenschaft gezogen. Gemeindebrandinspektor Lars Himmel erklärt, warum dieser Einsatz so schwierig ist: „Die Heuballen sind im linken Bereich der Scheune sehr dicht gelagert, da kommen wir nicht dran – das ist das Hauptproblem.“ Da kommen die Kameraden der Feuerwehr aus Weinheim ins Spiel, die mithilfe der Drehleiter den Brand von oben bekämpfen. Dass die die Weinheimer die Drehleiter gegen 11 Uhr wieder einfahren, ist ein gutes Zeichen. „Jetzt müssen nur noch vereinzelt Glutnester gelöscht werden“, sagt Himmel. Im Laufe des Tages kommen noch die Kameraden aus Mörlenbach und Rimbach hinzu. Die Atemschutzträger entlasten sich gegenseitig und kümmern sich in der Scheune um die Nachlöscharbeiten.

Mit einem sogenannten Teleskopsteiger werden die verkohlten Heuballen aus der Scheune nach draußen befördert – alles andere als eine leichte Aufgabe.

Der Zufall spielt den Brandschützern in die Karten. Denn am Samstag fand in Bensheim eine Großübung der Hilfsorganisationen statt. Auch ein Polizeihubschrauber war vor Ort – und flog am Nachmittag kurzhand nach Birkenau, um beim Löschen der Glutnester zu helfen. Innerhalb von 20 Minuten ergossen sich aus der Luft rund 8000 Liter Löschwasser auf die Scheune. „Das Ablöschen der Heuballen ist ein großer Aufwand“, ist Himmel froh über die Unterstützung „von oben“.

Die Familie Kellner ist den Feuerwehrleuten für ihren schnellen Einsatz sehr dankbar. Im Hof verfolgen sie die Löscharbeiten mit und wirken den Umständen entsprechend sehr gefasst. Es ist nicht das erste Feuer auf dem Hof, das Wolfgang Kellner erleben muss. Der letzte Großbrand brach dort im Jahr 1982 aus und war auf Brandstiftung zurückzuführen, so Kellner.

Zur Brandursache im aktuellen Fall kann die Polizei bislang noch keine Angaben machen. Mit Ergebnissen sei nicht vor Montag zu rechnen. Die Kriminalpolizei „ermittelt in alle Richtungen“, heißt es in der Pressemitteilung der Polizei.

Der Schaden für den Betrieb ist hoch. Das Feuer hat fast den gesamten Wintervorrat an Heu für die Pferde zerstört. Trotzdem habe das keinen erheblichen Einfluss auf den Betriebsablauf: „Die Grundversorgung der Pferde ist sichergestellt. Die Scheune war nicht der einzige, aber der Hauptlagerplatz“, sagt Stefan Kellner. Eine Lagerstelle müsse nun wieder hergerichtet und Ersatz für die Maschinen, die für den Grünfutteranbau benötig werden, organisiert werden.

 

31.10.2016 aus Weinheimer Nachrichten/Odenwälder Zeitung, www.wnoz.de, von Anna Klein

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